Immer mehr Leute färben ihre Haare mit Backpulver, Friseure verraten das Geheimnis

Publié le April 1, 2026 par James

Illustration von einer Person, die mit einem Pinsel Backpulver-Paste auf ihre Haare aufträgt, daneben liegen eine Backpulverdose und eine Schüssel.

In den sozialen Medien und auf Schönheitsblogs ist ein neuer Trend aufgetaucht, der die konventionelle Haarpflege herausfordert: Immer mehr Menschen greifen zu einem simplen Haushaltsmittel, um ihre Haarfarbe aufzuhellen – Backpulver. Was früher als Geheimtipp unter wenigen weitergereicht wurde, ist heute ein virales Phänomen. Friseure und Haarprofis beobachten diesen DIY-Trend mit gemischten Gefühlen, denn während die Methode verblüffend einfach und kostengünstig erscheint, birgt sie auch erhebliche Risiken für die Haarstruktur. Dieser Artikel beleuchtet das Geheimnis hinter der Backpulver-Methode, erklärt die chemische Wirkung und lässt Experten zu Wort kommen, die die Vor- und Nachteile nüchtern abwägen.

Die Chemie hinter dem Hausmittel: Wie Backpulver wirkt

Backpulver, chemisch Natriumhydrogencarbonat, ist ein basisches Salz. Seine haarfärbende Wirkung entfaltet es nicht durch Pigmente, sondern durch einen chemischen Prozess. Beim Vermischen mit Wasser oder Shampoo entsteht eine alkalische Lösung. Diese hohe Alkalität öffnet die äußere Schuppenschicht des Haares, die Kutikula, und greift in die Struktur des Haarfarbstoffs Melanin ein. Der Effekt ist eine schonende Oxidation, die das Melanin aufhellt. Es handelt sich also nicht um eine Färbung im klassischen Sinne, sondern um ein Entfärben. Der Prozess ist vergleichbar mit dem Bleichen, nur deutlich milder und unkontrollierter. Die Ergebnisse variieren stark je nach Ausgangsfarbe und Haarstruktur. Blondiertes Haar reagiert oft intensiver, während dunkles Haar lediglich rötliche oder orangene Reflexe zeigen kann. Die Einfachheit der Anwendung täuscht über die komplexe chemische Reaktion hinweg, die im Haarinneren stattfindet. Langfristig kann diese alkalische Belastung die Proteinstruktur des Haares, das Keratin, nachhaltig schwächen.

Die Anleitung der Profis: So wird es (theoretisch) gemacht

Friseure, die mit der Methode vertraut sind, betonen stets die Bedeutung von Vorsicht und korrekter Mischung. Eine typische Anwendung sieht so aus: Ein bis zwei Esslöffel Backpulver werden mit einem milden, sulfatfreien Shampoo oder Wasser zu einer pasteartigen Masse verrührt. Diese Mischung wird auf feuchtes, handtuchtrockenes Haar aufgetragen, wobei die Längen und Spitzen priorisiert werden, da die Kopfhaut empfindlich reagieren kann. Nach einer Einwirkzeit von meist 15 bis 30 Minuten wird die Paste gründlich ausgespült, gefolgt von einer intensiven Pflegekur. Eine tiefenwirksame Haarkur oder Haarmaske ist nach dieser Prozedur nicht optional, sondern obligatorisch, um die geöffnete Kutikula wieder zu schließen und die Feuchtigkeitsbalance wenigstens ansatzweise wiederherzustellen. Viele Friseure raten davon ab, die Prozedur häufiger als alle sechs bis acht Wochen durchzuführen, um dem Haar Erholungsphasen zu gönnen. Die folgende Tabelle fasst die kritischen Punkte zusammen:

Vorteil Nachteil/Risiko
Geringe Kosten Unvorhersehbare Ergebnisse
Frei von aggressiven Chemikalien wie Ammoniak Starke Austrocknung und Spliss
Schonende, graduelle Aufhellung Kann zu unerwünschten Gelb- oder Orangestichen führen
Einfach zu Hause anwendbar Erhöhte Porosität des Haares

Die Warnung der Experten: Versteckte Gefahren für das Haar

Obwohl der Trend verlockend wirkt, heben Friseure fast einstimmig die gravierenden Nachteile hervor. Das Hauptproblem ist die extreme Austrocknung. Die alkalische Lösung entzieht dem Haar nicht nur die Farbe, sondern auch natürliche Fette und Feuchtigkeit. Das Haar wird strohig, brüchig und verliert seinen Glanz. Die geöffnete Kutikula schließt sich nie wieder vollständig, was zu einer dauerhaft erhöhten Porosität führt. Das Haar wird anfällig für Umweltschäden und nimmt unerwünschte Farbpartikel aus Luft oder Stylingprodukten leichter auf. Was als natürliche Alternative beworben wird, kann das Haar langfristig schädiger machen als eine professionelle, kontrollierte Coloration, argumentieren viele Profis. Zudem ist das Ergebnis kaum steuerbar. Besonders bei vorbehandeltem oder gefärbtem Haar kann es zu unerwarteten Farbbrüchen, Flecken oder einer ungleichmäßigen Aufhellung kommen. Die Reparatur solcher Schäden im Salon ist oft kostspielig und zeitintensiv.

Der Backpulver-Trend offenbart einen tiefgreifenden Wunsch nach natürlicherer Schönheitspflege und kostengünstigen Lösungen. Er steht aber auch exemplarisch für die Risiken von DIY-Methoden, die chemisches Grundwissen voraussetzen. Die Professionellen im Salonbetrieb sehen ihre Rolle nicht nur als Dienstleister, sondern zunehmend als Aufklärer, die zwischen harmlosen Lifehacks und potenziell schädlichen Experimenten unterscheiden helfen. Letztendlich ist die Entscheidung eine Abwägung zwischen kurzfristigem Effekt und langfristiger Haarhealth. Wären Sie bereit, die Struktur Ihres Haares für einen sanften, natürlichen Look aufs Spiel zu setzen, oder vertrauen Sie lieber auf die kontrollierte Chemie des Friseurs?

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